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Eine Kompositionsliste ist hier zu finden.

 

2019

  • wú míng

Besetzung: Violoncello und Klavier oder Harfe
Dauer: ca. 15 min
Mit diesem Stück schlug ich eine Richtung radikaler Vereinfachung und gleichzeitiger Vertiefung des musikalischen Ausdrucks ein. Die Entwicklung beginnt im Einklang: beide Instrumente spielen in rhythmischem Kanon den selben Ton. Daraus erwächst schließlich, mit Auffächerung des Klangs im Klavier (bzw. Harfe), eine einstimmige Melodie in durchgehenden Achteln, die immer reicher und vieltöniger wird und aus sich überlappenden pentatonischen Klangfeldern besteht. Dreimal durchläuft das Stück den Prozess des reicher-und-vielgestaltiger-Werdens und der Reduktion auf ein neues Klangfeld.
Das Cello spielt hierzu weitgespannte (ebenfalls pentatonische) Melodien in freier Metrik und langen Notenwerten, die sich zum Ende hin mehr und mehr beleben. Das Stück klingt in langen Flageoletttönen des Cellos aus.
Der Titel bezieht sich auf folgende Zeile aus dem 1. Kapitel des Dao de Jing: wú míng tian dì zhi shî ("was ohne Namen, ist Anfang von Himmel und Erde"). Das Stück heißt übersetzt also Ohne Namen.

Es entstand im Februar und März 2019, kurz vor meiner Rückübersiedlung nach Österreich, die stille Sammlung der dort geschriebenen Werke quasi vorausahnend.

Uraufführung: 28. Juli 2019 in Saarbrücken durch das Duo Unruh.

 

  • am fasttag-morgen

Besetzung: Singstimme, Violine, Viola und Violoncello

Dauer: ca. 5 min

Anders als in früheren Vertonungen setzte ich hier auf Textverständlichkeit, da die musikalische Faktur noch radikaler ausgedünnt ist als in wú míng. Geige und Bratsche halten die längste Zeit den selben Ton als hohes Flageolett, das Cello „begleitet“ pizzicato ebenfalls mit immer demselben Ton im (fast) durchgehend gleichbleibenden Rhythmus. Auch die Singstimme ist einfach gehalten, fast schon gregorianisch mit vielen Tonwiederholungen und einfachen, meist pentatonischen Melodiewendungen. Aller Ausdruck ist nach innen gekehrt, eine musikalische Meditation.

Das Stück wurde im April 2019 geschrieben, meinem ersten Monat im Waldhäuschen in Plessberg, wohin mich mein Rückzug geführt hatte.

Der gleichnamige Text stammt von der Dichterin und Eremitin Meiju.

Uraufführung: 8. Juli 2019 im Studio Deutz in Köln mit dem Ensemble Unterwegs.

 

  • Die einsame Stimme

Besetzung: Klavier solo für rechte Hand allein

Dauer: ca. 28 min

Nach sechs Jahren entstand wieder ein Stück für Klavier solo. Auch hier setzte sich die radikale Vereinfachung der musikalischen Faktur der beiden vorherigen Kompositionen fort. Es ist von allen meinen Werken eines der technisch leichtesten, gleichzeitig jedoch auch eines der längsten...

Es besteht ganz konsequent aus einer einzigen Stimme (siehe Titel), ohne jegliche Klangverdopplung. Es ist somit nur Melodie, ohne jede Begleitung oder stützende Harmonie. Der weitgespannte Bau entstand durch die Gliederung in verschiedene Phrasen, die sich wiederum zu Zeilen zusammenschließen. Jede Zeile besteht aus drei Phrasen, wobei dieses Muster im Mittelteil aufgebrochen wird. Dort mutiert die bis dahin schlichte Dia- bzw. Pentatonik auch hin zur Freitonalität, der Ausdruck wird wild und expressionistisch. Der Schlußteil kehrt wieder zum schlichten Stil des Anfangs zurück.

Die Komposition entstand Mitte Mai bis letztes Drittel Juli, teilweise in Plessberg, teilweise in Köln.

Uraufführung: 20. Oktober in der evangelischen Christuskirche Bozen.

 

  • ander-perspektive

Besetzung: gemischter Chor a capella

Dauer: ca. 11 min

Auch dieses Stück, das in den letzten 10 Tagen des Jahres 2019 entstand, setzt den einfachen, meditativen Stil der anderen Werke dieses Jahres fort. Fast noch stärker ist hier der Einfluß des gregorianischen Chorals zu spüren.

Jeder Vers erklingt dreimal: einmal in den Frauenstimmen, einmal in den Männerstimmen und einmal gemeinsam. Nur wenige Zeilen weichen von diesem Schema ab.

Im Wesentlichen herrscht Einstimmigkeit (bzw. Oktavverdopplung) vor. Erst im Mittelteil ab dem 4. Vers taucht echte Zweistimmigkeit (in Melismen) auf. Ab da kommt hin und wieder auch ein einfacher akkordischer Satz vor, der jedoch immer dem Ideal der gregorianischen Einfachheit verpflichtet bleibt.

Das Stück ist ein Beispiel von progressiver Tonalität. Zunächst ist der zentrale Ton e, erst im vorletzten Vers wechselt er zu f und schließt auch auf diesem Ton (als Quint-Quart-Klang).

Die Textvorlage stammt von der Dichterin und Eremitin Meiju.

 

2020

  • Rauhnachtmesse

Besetzung: Orgel

Dauer: ca. 50 min

Unter diesem Titel sind 3 Werke für Orgel versammelt, die ich in Ermangelung eines besseren Begriffs "Contemplationen" nannte. Der Titel bezieht sich auf die sogenannten "Rauhnächte", die längsten Nächte des Jahres (je nach Überlieferung schwankt ihre Anzahl zwischen 3 und 12). Ich habe sie jedoch aus ihrer folkloristischen Überlieferung herausgelöst und allein das Symbol der Dunkelheit und damit verbundenen Stille übernommen. Auch die Bezeichnung "Messe" bezieht sich auf keine konkreten religiösen oder sakralen Inhalte, sondern die gesammelte, stille Spiritualität der drei Contemplationen. Wie der Titel vielleicht verrät sind es Stücke mit einer einfachen, auf das Wesentliche reduzierten (Klang)Struktur und einer ebenso einfachen Architektur, die mit vielen Wiederholungen arbeitet, ohne jedoch den Bereich der minimal music zu berühren. Der Verzicht schließt auch den Dreiklang mit ein, womit auch ein wesentlicher Unterschied zum Tintinnabuli-Stil von Arvo Pärt besteht. Die Komposition fand innerhalb von drei Wochen im Januar statt.

    • Contemplation I:

Über einem langen, leisen, tiefen Pedalton fügt sich die Musik quasi langsam zusammen. Das ganze Stück wird beherrscht von langen Liegetönen, um die sich einstimmige Melodien gregorianischer Prägung ranken. Sie verdichten sich langsam, um schließlich in einen Kanon aus absteigenden Tonleitern zu münden. Die Tonalität ist mixolydisch und ionisch auf C.

    • Contemplation II:

Ist eine zweistimmige Pedalstudie im Kontrapunkt Note gegen Note und wird in ihrem äußeren Aufbau von der Zahl 3 bestimmt: Drei Phrasen, jeweils getrennt von einer Pause, bilden einen Abschnitt, drei Abschnitte fügen sich zu einem Großabschnitt zusammen, und das ganze Stück besteht aus drei Großabschnitten. Die Tonalität ist äolisch, dorisch, phrygisch und hypoäolisch auf H bzw. Fis.

    • Contemplation III:

Über einem 18-tönigen, 29mal wiederholten Basso ostinato entfaltet sich eine reicher bewegte (jedoch trotzdem pausendurchsetzte) Melodie, die aus vier Phrasen besteht und verschiedene Variationen erfährt, dabei aber immer wieder das Kopfmotiv des Anfangs wiederholt. Das Interessante dabei ist, dass die Länge der Oberstimmenmelodie nicht mit der Länge des Basso ostinato übereinstimmt. So findet trotz der vielen Wiederholungen eine stetige Veränderung des Klangmusters statt. Das zweistimmige Stück ist streng pentatonisch auf D, ohne jede Modulation.

Uraufführung: 6. März 2020 im St. Pöltener Dom durch Domorganist Ludwig Lusser.

 

 

  • Sonata sopra una nota

Besetzung: Violoncello und Klavier

Dauer: ca. 18 min

Der Titel "Sonata" hat bei diesem Stück nichts mit der klassischen "Sonate" gemein, die man von Mozart, Beethoven oder Schubert kennt. Es führt diesen Begriff zu seinen etymologischen Wurzeln zurück, die im lateinisch-italienischen Wort "sonare" liegen, also "klingen".

Die "Sonata sopra una nota" entfaltet sich um den Ton g, der die ganze Zeit Dreh-, Angel- und Bezugspunkt bleibt. Das Klavier eröffnet mit der Oktave, das Cello hebt mit einer pausendurchsetzten, dreigliedrigen Phrase an, die sich dreimal in leichten Variationen wiederholt und in lang ausgehaltenen Tönen um die Unterquarte und -quinte kreist. Nach einer Wiederholung eine Oktave tiefer wechseln die Instrumente sowohl Lage als auch Rollen. Für eine letzte abgewandelte Wiederholung werden die ursprünglichen Verhältnisse wiederhergestellt, die Melodietöne im Cello erklingen nun im Flageolett. Eine lange Coda auf dem Grundton g lässt die Musik zart verklingen.

Das Stück entstand innerhalb von 3 Tagen vom 18. bis 21. Februar.

 

  • requiem

Besetzung: Klavier solo oder freie Besetzung für den Tonraum b - b''

Dauer: ca. 18 min

Als logische Konsequenz der vorangegangenen Werke entstand Ende Mai in 5 Tagen das "requiem". Es ist einzig und allein über dem Ton b aufgebaut, und zwar nur innerhalb dreier Oktavlagen: kleine, ein- und zweigestrichene Oktave. Der Reiz des Stückes liegt also in den rhythmischen Varianten des Beginns, der an "le Gibet" von Maurice Ravel anknüpft.

Der Aufbau ist wieder streng dreiteilig: das rhythmische Motto des ersten Taktes wird dreimal wiederholt. Dieser Dreitakter wird seinerseits dreimal variiert und der daraus entstehende Neuntakter ebenfalls. Das ganze Stück besteht ebenfalls aus drei so gestalteten 27taktigen Teilen.

Zwar ist das "requiem" primär für Klavier solo geschrieben, doch sind auch andere freie Besetzungen möglich, die den entsprechenden Tonumfang und eine frei schwingende Klanglichkeit besitzen, wie Glocken, Klangschalen, Vibraphon, Marimbaphon etc. und entsprechende Instrumentenkombinationen.

Das Motto der vorangestellten Verse ist ein gleichbetitelter kurzer Doppelvers der Eremitin und Dichterin Meiju: "ich-stirbt, SEIN ist". Das Stück verwandelt die Verse (möglicherweise) in ein Stück Erfahrung.

 

  • ...in stille...

Besetzung: ein Streich- oder Blasinstrument solo für den Tonraum h-f''

Dauer: ca. 12 min

Bewegung mündet ...in Stille. Aktivität mündet ...in Stille. Klang mündet ...in Stille. Jedes Sein kommt aus der Stille und mündet wieder ...in Stille.

Je einfacher und grundsätzlicher Musik wird, umso mehr nähert sie sich dieser Quelle wieder an. Und umso näher führt sie den Zuhörer (und den Interpreten) auch an seine eigene Quelle - und der allen Seins. Je lauter die (Menschen)Welt wird, umso wichtiger wird die stete Erinnerung an diese Quelle.

...in stille... ist offen angelegt. Dem Interpreten steht es frei, nur die 1. Zeile zu spielen, die ersten drei Zeilen zu spielen, oder das ganze Stück zu spielen. Auch das Instrument ist frei wählbar, allerdings sollte es ein Streich- oder Blasinstrument sein, um die langen Töne entsprechend gestalten zu können. Daher sind auch z.B. Singstimme, Theremin oder singende Säge denkbar.

Wieder ist der Aufbau dreiteilig, jeder Teil hat drei Zeilen, die wiederum in drei Phrasen unterteilt sind, jeweils durch Pausen gegliedert. Der erste und der dritte Teil haben als Zentralton e', der Mittelteil eine Quinte höher auf h'. Er ist auch etwas stärker bewegt. Der erste und der letzte Teil sind ruhiger, der Schluß schwingt in langen Tonwiederholungen aus.

Das Stück entstand vom 15. bis 20. August 2020.

 

  • Der ewige Tanz

Besetzung: Klavier solo für rechte Hand allein

Dauer: ca. 22 min

Mein erstes Minimal-music-Stück ist wieder einstimmig für Klavier rechte Hand allein. Es besteht aus einem ununterbrochenen Achtelband, das sich ausschließlich im engen Ambitus vom d'' bis e''' bewegt. Takt und Metrik sind variabel, die Achtel ballen sich zu Dreier- und Zweiergruppen zusammen. Höchst selten kommt auch eine Vierergruppe vor. Dieser stete Wechsel erzeugt eine rhythmische Schwebung, einen metrischen Tanz, der den Zuhörer durch das Stück und seine vielen Wiederholungen trägt.

Die äußere Form ist die eines Kettenrondos A B A' C A'' D A''', wobei der Hauptteil bei jeder Wiederholung variiert erscheint. Der Name rührt von der Beobachtung der Natur her, deren Eindruck von Reichtum und Vielfalt durch stete Wiederholung einiger weniger archetypischen Grundmuster und ihrer unendlichen Anzahl an Variationen und Veränderungen hervorgerufen wird.

Das Stück entstand zwischen 29. September und 12. Oktober 2020.

 

 

 2021

  • Serenis

Besetzung: Klavier solo

Dauer: ca. 22 min

Serenis ist das Beispiel für ein Stück, das ursprünglich anders angelegt war, aber dem Willen seines Schöpfers bzw. "Übersetzers" (mir) nicht entsprach. Daher zog sich seine Entstehung mit langen Pausen über einen Zeitraum von fast 8 Monaten. Es hätte ein zweistimmiges Klavierstück werden sollen, aber die Musik wehrte sich. Testament davon ist der Mittelteil, der eine Oktave tiefer und in langsameren Notenwerten steht als die Rahmenteile.

Abgesehen von den zwei Überschneidungstakten zwischen den Teilen ist auch dieses Werk wieder einstimmig, mit durchgehend durchgehaltenem Pedal. In Vielem knüpft es an Die einsame Stimme an, ist jedoch einfacher, konzentrierter, weniger vielfältig und vor allem ruhiger, meditativer (dafür auch nicht so lang). Auch ist es formal klarer und eindeutiger.

Erneut ist die Dreiheit prägend: In jedem der drei Teile gibt es drei Abschnitte, die aus je drei dreiphrasigen Zeilen bestehen. Die meditative Konzentration spiegelt sich in den einfachen melodischen Formeln wieder, die auf Elementarmotive zurückgreifen. Die Tonalität ist in gis-Pentatonisch mit einer Nähe zu gis- oder cis-Moll, das sich am Ende zu Cis-Mixolydisch aufhellt.

Entstanden ist Serenis von November 2020 bis Juli 2021.

 

  • Mysterium

Besetzung: großer gemischer Chor, Orgel und Pauken

Dauer: ca. 75 min

Ungefähr 20 Jahre lang trug ich mich mit dem inneren Auftrag einer Vertonung von Teilen des Buches Kohelet aus der Bibel. So lange dauerte die persönliche Reifung, bis er schließlich Früchte tragen konnte... Es blieb allerdings nicht beim Buch Kohelet, mystische Inhalte wirken schließlich kulturübergreifend. So fanden am Ende auch Verse aus der Dhammapada und dem Herzsutra Eingang in das Werk.

Seinen Namen erhielt es durch seinen Inhalt: anders als in einem Oratorium geht es hier nicht um Glaubensdinge oder philosophische Inhalte, sondern um mystische Erkenntnisse. Ein anderer Name als Mysterium schien mir daher (trotz eines gleichlautenden Kompositionsentwurfs von Skrjabin) nicht angemessen.

Die Komposition besteht aus sechs Teilen, fünf vokalen und einem rein instrumentalen.

    • I. Teil: Prolog

Im Eröffnungsteil intoniert der Chor, gestützt vom tiefen G im Baßregister der Orgel, die Eröffnungsaussage: "Alles ist Nichtigkeit, alles ist Windhauch".

    • II. Teil: Das Gesetz

Dieser Teil enthält die eigentlichen Einleitungsverse zum Buch Kohelet. Er ist rein vokal.

    • III. Teil: Interludium

Dient quasi als Einleitung zum folgenden Vokalteil und ist für Orgel solo geschrieben. Aus einem tiefen, leisen Baßton erwächst nach und nach ein sich immer stärker und schneller aufbauender, crescendierender Akkordcluster, der am Ende mehr einem Brüllen gleicht als artikulierter Musik.

    • IV. Teil: Der Tod

Im gleichen Moment, in welchem der Orgelcluster des vorherigen Teils abbricht, setzt die Pauke Fortissimo mit einem hämmernden Viertelrhythmus auf dem Ton G ein, der bis fast zum Ende unerbittlich beibehalten wird. Der Chor intoniert die wohl düstersten, archaischsten Verse des gesamten Buches Kohelet. Die Tonalität wechselt von G zu E.

    • V. Teil: Die Wahl

Dieser Teil ist wieder a capella und vertont Verse aus der Dhammapada, die an die Selbstverantwortlichkeit des einzelnen Menschen erinnern. Sie stehen den Versen aus dem vorherigen Teil gegenüber, in welchen das menschliche Wesen den unerbittlichen Gesetzen der Ewigkeit hilflos ausgeliefert ist.

    • VI. Teil: Epilog

Vertonung wesentlicher Teile des Herzsutras. Es singen alleine die Bässe auf dem tiefen C, begleitet vom tiefsten Ton der Orgel, dem Subbaß-C. Dieser Teil schlägt einen Bogen zum ersten Teil zurück und vertieft seine Aussage. Findet dort jedoch noch eine Art Entwicklung statt, so herrscht nun völlige Ruhe. Der Urgrund ist erreicht...

Das Mysterium entstand im Frühjahr und Herbst des Jahres jeweils in einem Zeitraum von ca. 2 Wochen.